Zweitverwertung von Autoakkus als Energiespeicher im öffentlichen Personennahverkehr

08.01.20 (Hamburg) Autor:Stefan Hennigfeld

Wie gebrauchte Batterien aus Elektrofahrzeugen nach ihrem ersten Leben im Fahrzeug genutzt werden können, dieser Frage gehen drei Unternehmen in einem wegweisenden Pilotprojekt jetzt nach. Das Gemeinschaftsprojekt von MAN Truck & Bus, den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) und des Volkswagen Konzerns manifestiert sich in Hamburg Bergedorf im Busdepot der VHH. Hier steht ein weißer Container, der fünfzig Batterien enthält, die zuvor in VW Passat GTE eingebaut waren.

Jede Batterie mit einer Nennkapazität von 9,9 kWh. Somit besitzt der Container eine Gesamtkapazität von exakt 495 kWh, also in etwa ein halbes Megawatt. Die Batterien werden auf sogenannte Racks montiert und dann mittels Batteriemanagement zu einer Großbatterie zusammengeschaltet. Ein Ziel des Projekts ist es, ein flexibles Batteriespeicherungskonzept zu entwickeln, das den Austausch der Batterien erlaubt.

Der sogenannte Second Use Speicher ist das Produkt eines Memorandum of Understanding (MoU), welches die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein und MAN Truck & Bus im März 2018 unterzeichnet haben. Da es ökologisch nicht sinnvoll ist, die Batterien, die in den Fahrzeugen verbaut waren, direkt zu entsorgen, wollen die beiden Unternehmen eine Zweitnutzung dieser Batterien in einem stationären Speicher erproben.

Für die VHH ist die aktive Gestaltung zukünftiger Mobilität das zentrale Thema. Wer ÖPNV fährt hat schon einmal die richtige Wahl getroffen, denn Busfahren ist nachhaltig. „Unsere Kunden erwarten, dass wir als Unternehmen zeitgemäße, nachhaltige Technologien wie Elektrobusse einsetzen. Aber auch, dass wir sie auf Herz und Nieren prüfen“, stellt Toralf Müller, Geschäftsführer der VHH, fest.

Müller: „Wir sind sehr dankbar, dass auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) dieses Vorhaben mit unterstützt. Das macht noch einmal das öffentliche Interesse deutlich, alle Aspekte der Elektromobilität unter dem Gesichtspunkt einer verantwortungsvollen Nachhaltigkeit zu beleuchten.“

Und bei einer Zweitnutzung der Batterien können gleich mehrere Vorteile genutzt werden. Mit dem Großspeicher werden unterschiedliche Szenarien erprobt, um den Leistungsbezug am VHH-Betriebshof zu optimieren. Dazu gehört eine bessere Netzauslastung und ein Abfedern der Spitzenlasten beim Laden von Elektrobussen (Peak Shaving). Das bestätigt auch Alexander Adler, bei MAN Truck & Bus für das Projekt Second Use Speicher verantwortlich: „Der Speicher kann mit der Peak-Shaving-Methode bis zu 600 kW Spitzenlast reduzieren und entsprechend die Kosten beim Strombezug senken.“

Darüber hinaus versprechen sich die Projektpartner Erkenntnisse zum Alterungsverhalten der Batterien, zum effizienten Batteriemanagement sowie zu den Lebenszyklen künftiger Batterietechnologien. Die Erprobung des Second Use Speichers erfolgt im Rahmen der Mobilitätspartnerschaft zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg, dem Unternehmen VHH und dem Volkswagen-Konzern.

Kommentar Robert Jungnischke:

Diese Art der Zweitverwendung mag ein Ansatz sein, die Lebensdauer einer Batterie zu vergrößern. Ein Recycling stellt dies meiner Meinung nach jedoch nicht dar. Deshalb wäre ich hier glücklich man würde statt von Recycling von erweiterter Nutzungsdauer sprechen.

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